Das Analyseverfahren der objektiven Hermeneutik ist entwickelt worden, um Ausdrucksgestalten
der Lebenspraxis - Texte beliebiger Herkunft und Materialität - methodisch
kontrolliert auswerten zu können. Das von Ulrich Oevermann entwickelte
Verfahren
der Textinterpretation dient der Erschließung der jeweiligen objektiven
Bedeutungsstruktur eines Dokumentes, Bildes oder irgendeiner anderen
Verkörperung von textförmigen Sinnstrukturen. Ursprünglich aus der
Forschung zur Struktur familiärer Interaktionen und sozialisatorischer
Prozesse hervorgegangen, findet es heute in nahezu allen Forschungsgebieten
der Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften Anwendung.
Bewährt hat sich dieses Verfahren bei der Analyse von biographischen Konstellationen,
nicht standardisierten Interviews, Interaktionsprotokollen, Unterrichtsprotokollen,
Kunstwerken
aller Art, Briefen, Tagebüchern oder Spurentexten aus der Kriminalistik
und vielem anderen.
Gründliche Kenntnisse des Verfahrens können für Wissenschaftler
und Studenten im Rahmen ihrer Forschungsarbeit von Bedeutung sein,
wie auch für Berufspraktiker, die mit Problemen des Fallverstehens
im Rahmen eines Arbeitsbündnisses mit einem Klienten oder in einer
Beratertätigkeit konfrontiert sind. Das Institut hat es sich deshalb
zur Aufgabe gemacht, das methodische Verfahren auch Berufspraktikern
zu vermitteln.